Keine Kraft.
Es ist erst Mittwoch. Das Wochenende war total schön. Wir haben nichts gemacht. Keine Verpflichtungen. Den Samstag haben wir zu Hause verbracht, Sonntag hat Herzbube mich zum essen ausgeführt. So richtig dicke mit richtig gutem Essen.
Alles zusammen ein echt tolles Wochenende.
Trotzdem habe ich keine Kraft mehr, keinen Appetit.
Nachts trage ich jetzt eine Beißschiene. Meine Zahnärztin war erschreckt über den Zustand meiner abgeschabten Zähne. Ich hatte das gar nicht gemerkt.
Jetzt, wo ich diese Schiene trage merke ich es selber.
Ich beiße und beiße, knirsche herum. Na knirschen jetzt ja nicht mehr, habe ja die Schiene.
Ich weiß nicht woran das auf einmal liegt. Der Kleine ist mittlerweile mobiler, schläft weniger - aber regelmäßiger. Eigentlich ist das Leben etwas einfacher geworden.
Trotzdem gehe ich momentan am Stock.
Herzbube ist weniger da, hat einen weiteren Fahrtweg zur Arbeit und ist daher einfach auch immer erst da, wenn der Kleine schläft.
Das ist anstrengend. Auch wenn Herzbube vorher vielleicht nur eine halbe Stunde früher heim kam - irgendwie war es entspannter.
Gestern hatte ich einen guten Tag, habe viel geschafft, es war schön mit Kind und Hund. Wir waren beim Zahnarzt, einkaufen, mehrmals spazieren.. alles war okay.
Dann kam Herzbube heim und ich hatte eine furchtbare Laune.
Nicht, dass meine Laune so viel besser war vorher. Nur es war wohl keiner da, der sie abbekommen hätte. Außer der kleine Schwarze Hund vielleicht. Der bekommt meine Genervtheit meistens ab. Das tut mir auch immer so leid. Ich strenge mich an, nicht zu harsch zu ihm zu sein..
Ich weiß nicht woran das auf einmal liegt. Der Kleine ist mittlerweile mobiler, schläft weniger - aber regelmäßiger. Eigentlich ist das Leben etwas einfacher geworden.
Jedenfalls ist es einfach nicht leicht mit mir gerade. Wahrscheinlich bin ich am schwierigsten für mich selbst. Trotzdem: für Herzbube ist es schwierig mit mir umzugehen, wenn ich immer motzig und unfreundlich und zickig bin. Klar. Vor allem weil ich nicht sagen kann, warum ich so bin. Ich weiß es einfach nicht.
Ich meine - ich habe Vermutungen;
Zeit? Hab ich nicht. Ich mache und mache und putze und füttere und mache Windeln, gehe raus mit dem Hund, füttere, lege schlafen, putze, koche, wasche Wäsche.. und wenn der Kleine Abends schläft (er geht zeitig ins Bett, um halb sieben ca schläft er..) mache ich das, was mit Baby nicht geht. Kleinigkeiten.
Und trotzdem bin ich nie fertig.
Krabbelgruppe oder Ausflüge in die Stadt sind schön und gut und wichtig. Aber anstrengend! Entspannung wie früher in der Stadt finde ich nicht mehr.
Gemütlich einen Kaffee trinken? Nö.
Überhaupt geht eigentlich nichts mehr in Ruhe.
Wenn der Kleine seinen Mittagsschlaf macht, versuche ich schnell alles zu erledigen, was mit ihm nicht geht. Und nur das Nötigste! Und ich versuche Mittag zu essen.
Aber ich weiß dann immer, dass die Ruhe nicht von Dauer ist. Dass es jede Sekunde wieder losgehen kann.
Ich liebe den Kleinen, ich liebe den Herzbuben und den kleinen schwarzen Wau.
Aber manchmal wünschte ich, ich könnte einfach sagen: "So. Und jetzt bin ich mal drei Tage weg."
Wenn ich mal "Ausgang" habe, dann ist das schön.
Aber allein der Gedanke daran, ein paar Stunden weg zu sein und dann wieder zu kommen - und alles geht von vorne los, macht mich momentan fertig.
Oh man. Ich fühle mich schrecklich deswegen.
Vor meinem Kind, vor meinem Mann, vor meinem Hund.
Alle leisten ihren Beitrag - nur ich beschwere mich am laufenden Band, bin unzufrieden und ausgelaugt.
Von was denn?!
Vor Allem, und das wundert eben auch mich am Meisten:
Die ganze Zeit, das erste halbe Jahr war alles okay. Jetzt stille ich ab und auf einmal bekomme ich einen Koller.
Alles Hormonell bedingt? Bleibt das jetzt so? Bin ich jetzt nur während Schwangerschaft und Stillzeit entspannt und nett und ausgeglichen?
Ich habe Angst, durch diese Art, diese Unzufriedenheit alles zu verlieren.
Ich habe Angst vor der Zeit, in der Herzbube möglicherweise wo anders arbeitet, wir uns noch weniger sehen, ich noch mehr alleine machen muss. Was ist dann?
Wie soll dann unsere Beziehung aussehen?
Wie unser Leben?
Keife ich dann nur noch herum?
Wir wollen heiraten, alles war so schön - und dann komme ich, mit meiner Unbelastbarkeit und Ziegenart und mache alles kaputt.
Und das Kind, was ist mit dem Kind, wenn ich dauernd kaputt und KO bin?
Ich habe das Gefühl, alle anderen Mütter kriegen das besser hin als ich.
Bullshit, ich weiß.
Aber es ist, wie es ist, ich fühle mich so.
Dass ich momentan keinen Appetit habe ist scheiße. Aber kommt vom Stress denke ich. Und abnehmen tue ich nicht, eher zu. Von Stress nehme ich immer zu.
Von diesem Stress wo einem das Lachen vergeht und alles grau wird.
Ich hoffe so sehr, dass wir das schaffen.
Wir haben gestern Abend ein paar Ideen ausgetauscht, um die Lage zu verbessern. Vielleicht klappt es, vielleicht bin ich nicht furchtbar und schrecklich - sondern echt nur kaputt und werde wieder normal, wenn ich etwas weniger Stress habe.
Ich hoffe.
Ich bete.
Vom "sich kennen".
Ja, alles wird wieder wie es war.
Meine Brüste sind wieder fast so klein wie eh und je, nur ein bisschen (kaum der Rede Wert. Gefällt mir eigentlich ganz gut.) hängender. Mein Bauch ist.. naja gut. Mein Bauch ist auch der Alte - nur ein bisschen dicker und schlaffer.
Mein Po ist super. Knackerund und nicht zu dick.
Meine Beine sind wie immer zu kräftig.
Meine Haut ist im Arsch (furtztrocken, rauh und rissig).
Meine Schleimhäute auch.
Dazu bekomme ich momentan noch Pickel im Gesicht. Wie schön, dass auch etwas neu dazu kommt.
Wie ich vorhergesagt habe: ich habe zwei Kilo zugenommen (innerhalb einer Woche!) obwohl ich weniger gegessen habe und mich gleich viel bewegt.
Wie ich auch vorhergesagt habe, habe ich daraufhin mein Nahrungsaufnahmeverhalten konsequent ration(alis)iert.
Wow. Ich hatte ja gedacht, dass ich jetzt inkonsequent, unvernünftig und schwach geworden bin - aber keineswegs.
Ich "schaffe" es immer noch, mich am riemen zu reißen. (Klingt ganz gut, die Ausdrucksweise, oder? ;-) )
Wie dem auch sei. Man muss sich jetzt keine Sorgen um mich machen.
Ich esse wirklich vernünftig und genug und es gibt keine Tabus. Nur habe ich mir verboten, abends so viel zu essen. Vor Allem Kohlehydrate und Süßkram, was ich eben regelmäßig gemacht habe während dem Stillen. Ne halbe Dose Erdnüsse waren nicht unnormal, mal eben Abends um halb zehn. Vorher vielleicht noch ein Toast und danach noch eine große Schale Müsli.
Abgesehen eben vom normalen Essen den Tag über. *lach*
Und das schlimme ist: das mein ich echt ernst! Und abgenommen hab ich bei der Fresserei immer noch. Könnt euch also vorstellen, dass es jetzt nicht ganz einfach ist, wieder normal zu futtern.
Es klappt jedenfalls ganz gut. Ich will die zwei Kilo die ich zugenommen habe plus noch zwei (dann ist das Gewicht wieder rund und trotzdem noch über dem, was ich vor der Schwangerschaft hatte) wieder runter bekommen. Langsam aber sicher zumindest. Kein Muss und kein Zwang. Aber ich fühle mich so, mit der kleinen Oberweite und dem Gewicht, nicht so wohl.
Na eigentlich fühl ich mich schon wohl, doch. Aber so eine bisschen straffere Silhouette möchte ich schon.
Verarsche ich mich grad selber? Ich bin mir unsicher. Jedenfalls fühl ich mich gerade gut mit allem und bin auch ein bisschen Stolz auf mich, dass ich es schaffe, diszipliniert zu sein. Trotz Hormonchaos.
Hormonchaos hoch drei! Ich könnte kotzen.
Vermutlich bekomme ich meine Periode bald wieder. Ich hatte sie jetzt ein Jahr und vier Monate nicht. Die könnten ruhig noch ein bisschen weg bleiben!
Obwohl ich auch gespannt bin, wie das ist. Weiß es kaum noch.
Ich weiß nicht ob all das was ich hier schreibe ein bisschen konfus ist. Wahrscheinlich.
Jedenfalls: ich werde wieder, wie ich vor der Schwangerschaft war. Mit allen negativen Seiten.. und den Überbleibseln von der Schwangerschaft.
Ich merke, dass auch ich vergänglich bin, dass ich älter geworden bin, gezeichnet eben von diesem Ereignis.
Bisher hatte ich nur ein paar kleine Lachfältchen um die Augen.
Jetzt, wie gesagt hängt einiges und manches ist ausgeleierter. Ein paar mehr Dellen habe ich auch. Und meine Stirn ist faltiger geworden.
Schon komisch.
Bisher dachte ich wohl, dass altern an mir vorüber zieht.
Aber wie anders, wenn man in meinem Alter noch immer nach dem Ausweis gefragt wird, beim Zigaretten o.ä. holen.
Ich werde also wieder sein, wie ich war.
Irgendwie machts mir Angst.
Ich weiß gar nicht mehr wie ich war. Und wer weiß - vielleicht mag mich Herzbube dann nicht mehr?
Wir haben uns unschwanger kennengelernt.. ja. Aber meine Güte, die zwei Wochen - das ist ja kaum zu rechnen!
Und was ist, wenn ich durchknalle und was weiß ich.
Im Moment habe ich dauernd Alpträume und Angst.
Aber ich hoffe einfach mal, dass das alles mit den Hormonen zusammen hängt und sich bald wieder legt. Wenigstens das.
So, genug Ego-geschwafel.
Gute Nacht.
Depression.
Meine tolle neue Zahnärztin (ich kürze die Geschichte ab) hat mir eine Betäubungsspritze gegeben und mir danach gesagt, dass ich jetzt 48Std nicht stillen darf.
Ich weiß nicht, ob sich irgendjemand hier schon mal mit dem Thema "Stillen" auseinandergesetzt hat, vermute aber mal, dass dem nicht so ist.
Ich wollte jetzt Ende Dezember langsam abgestillt haben. Das heißt, man reduziert langsam die Mahlzeiten, die das Baby zu sich nimmt. Erst eine halbe weniger, dann ne ganze, und so weiter. Das dauert so ca drei Wochen.
Wenn man 48 Stunden nicht stillt, hat man sehr viele Schmerzen, die Hormone spielen verrückt und man hat ein Atom-Dekoltée.
Ich habe mich entschieden, da 48 Stunden nicht stillen der Horror sind, gleich komplett abzustillen. Ob das ne gute Idee war weiß ich nicht. Ich hatte jedenfalls keine Lust, mir das antun zu müssen und dann wieder weiter zu stillen und dann wieder langsam zu reduzieren. Mittlerweile denke ich, dass das besser gewesen wäre.
Wurst, es ist jetzt so.
Ich stille jetzt seit Mittwoch nicht mehr. Meine Milch wird dank den guten Tipps meiner Hebamme jetzt auch weniger.
Was ich allerdings jetzt merke ist, dass ich mich ganz anders fühle. Ich werde jetzt wohl wieder die Alte. Bestimmt setzt bald auch wieder meine Periode ein.. und ich hoffe, dass ich nicht wieder in die Essstörung rutsche.
Ich habe es ja in der Hand, ich weiß. Und abrutschen werde ich sowieso nicht. Aber ich merke jetzt schon, dass ich Probleme bekommen werde.
Während dem stillen konnte ich fressen wie ein Scheunendrescher. Jetzt dann natürlich langsam nicht mehr. Aber wie das so ist; wenn ich plötzlich abstille, muss ich auch plötzlich weniger essen und das ist natürlich schwierig.
Wenn ich mich nicht am riemen reiße, wird es also so laufen: ich werde 1-2kg zunehmen und dann panisch viel weniger essen. Nur noch gesund, keine Süßigkeiten, blabla.
Ist ja - wie wir alle wissen - per se nicht schlecht.
Aber es wird hart. Und dann wieder die Selbstzweifel, die Angst vor allem, waaaaah. Heute ist es nicht gut.
Wenn ich jetzt Zeit hätte nachzudenken und herumzusitzen, würde ich richtige Depressionen bekommen, da bin ich mir sicher.
Zum Glück habe ich diese Zeit nicht.
Ich werde also einfach weiter machen, weiter räumen, rennen und machen und tun und hoffen, dass ich über diese schwierige Phase hinweg komme.
Ich habe Angst davor.
Angst vor der nächsten Zeit.
Vor dieser Freudlosigkeit und schlechten Laune und Zickigkeit.
Ich hoffe, dass ich es hinbekomme, nicht so drauf zu sein.
Ich hoffe, dass ich einen Ausgleich finden kann, dass ich wieder meinen Essens-Mittelweg finden kann.
Bitte bitte Gott, hilf mir dabei und in der nächsten Zeit.
Drückt mir die Daumen,
alles liebe,
Lara
UUUH Baby!
Ich bin geschieden!
Heute hab ich den Brief im Kasten gehabt: die Scheidung ist nun rechtskräftig.
Wie schön.
Jetzt bin ich kaum noch verwirrt. Morgen geh ich das feiern! 
Verwirrt.
Mein letzter Eintrag war ein Brief an Ruth. Meine verlorene Freundin von der ich schon mal geschrieben habe.
Diesen Brief habe ich nicht abgeschickt - und werde es auch nicht tun.
Momentan beschäftigt mich diese Beziehung sehr.
Auch dass ich jetzt geschieden bin (Ja! Ich bin tatsächlich geschieden!) beschäftigt mich irgendwie. Letzteres beschäftigt mich eher unterbewusst. Ich kann nicht sagen, warum.
Die Sache mit Ruth verfolgt mich bis in meine Träume. Ich träume fast immer wenn ich träume von ihr. Dass ich sie wieder treffe. Immer auf andere Arten und Weisen.
Ich habe Angst davor - und gleichzeitig sehen ich es herbei, ihr mal wieder über den Weg zu laufen.
Ich bin einfach so verwirrt darüber, dass sie sich nicht mehr gemeldet hat. Dass sie einfach nie wieder aufgetaucht ist in meinem Leben - seit einem halben Jahr.
Ich werde sie in Ruhe lassen, werde ihr nicht schreiben. Weil ich weiß, dass sie es nicht will.
Wie es scheint, war unsere Freundschaft lange nicht mehr das, was ich in ihr gesehen habe. Auch wenn sie es oft gesagt hat. Dinge wie "Wie schön, dass Du wieder hier bist." und "Echt toll jemanden zu haben, der einen so gut kennt" und blabla.
Das ist echt die härteste Trennung meines Lebens! Ha!
Wie dem auch sei; ich werde jetzt versuchen, sie zu vergessen.
Diesen Brief im vergangenen Eintrag habe ich nur für mich geschrieben. Als Abschluss. Ich hoffe, dass ich bald ohne sie in meinen Träumen schlafen kann.
Was meine Scheidung angeht - so bin ich auch verwirrt.
Jetzt ist anscheinend einfach so alles vorbei. Die Zeit des bangens und sich ärgerns ist vorbei.
Ex und ich sind kein Ehepaar mehr. Wir werden uns nie wieder sehen, hören oder sonst etwas.
Dass dem so ist, war mir ja klar. Und nichts anderes wollte und will ich. Keine Angst.
Trotzdem fehlt mir der Abschluss des Ganzen.
Dass ich jetzt nicht bei der Verhandlung sein musste, ist super.
Aber es ist schwer insofern, dass meine Anwesenheit noch mal einiges hochgeholt hätte, was vielleicht auch raus sollte.
Einfach noch mal alles gute und schlechte und böse und all die Wut und die Emotionen eben, die sich in all der Zeit der Trennung jetzt so aufgebaut haben.
Sicherlich versteht das keiner außer ich selber.
Warum sollte ich noch mal was hochholen wollen, was nicht von alleine hochkommt. Warum sich noch mal den bösen Blicken und all dem Schlechten aussetzen, was bei so einer Verhandlung eben so kommt.
Ich bin froh, dass ich mich dem nicht aussetzen musste. Dass ich Lasse und Herzbube und auch den kleinen Schwarzen nicht damit belasten musste.
Aber ich kann es einfach so, ohne das, noch nicht begreifen, was es bedeutet geschieden zu sein.
Ich war verheiratet!
Und jetzt bin ich geschieden!
Was heißt das denn verdammt?!
Im Endeffekt ist es auch nur eine Beziehung wie jede andere auch - nur dass die Trennung anstrengender und langwieriger war als sonst.
Wie furchtbar!
Dabei war es doch eine Ehe.
Ich will das nie, nie wieder!
Ich will nie, nie wieder so auseinander gehen.
Ich will, dass meine nächste Ehe meine letzte ist.
Ich bin verwirrt.
Fragt sich nur, wie ich mich entwirre..
In diesem Sinne; alles liebe den Lesern!
Liebe Ruth,
ich schreibe Dir ein allerletztes Mal.
Ich weiß, dass Du es hasst, Briefe von mir zu erhalten. Schon früher hast Du es gehasst. Ich weiß eigentlich noch immer nicht warum. Irgendwann habe ich Dir mal geschrieben - und anscheinend habe ich Dich damit verletzt. Ich habe nie herausgefunden, was Dich eigentlich gestört hat, an jenem Brief. Aber seit dem hast Du Angst davor, Briefe von mir zu bekommen.
Ich habe Dir nie wieder geschrieben. Bis jetzt.
Ruth, ich weiß nicht, was ich Dir getan habe. Ich weiß nicht wie ich Dich so verletzen konnte, dass Du mich nicht mehr sehen willst, nicht mehr hören, nicht mehr umarmen.
Ich habe mich nicht, als ich hochschwanger war, von Dir "auf den Stuhl" setzen lassen wollen.
Ich habe gesagt, dass ich Dir nicht helfen kann. Ich habe gesagt, dass Du mit Deinem Psychologen über mich sprechen sollst.
Danach habe ich nie wieder etwas von Dir gehört.
Du hast mir vorher gesagt, dass ich Deine psychischen Probleme ausgelöst habe. Du hast mir gesagt, dass Du immer noch ein Problem mit mir, mit unserer Vergangenheit, mit meiner Essstörung hast.
Liebe Ruth. Wenn dem so ist, tut es mir leid. Ich möchte nicht, nie im Leben, für das Unglück eines Menschen auf dieser Erde verantwortlich sein. Nie im Leben!
Vorallem nicht für Dein Unglück, Deine Depressionen, Deine psychotischen Gedanken.
Wir haben viele Probleme gehabt in unserer Vergangenheit. Wir haben uns gestritten, haben geweint, haben gelacht, haben Schwierigkeiten durchgestanden und haben es teilweise nicht geschafft.
Wir sind zusammen aufgewachsen.
Wir kannten uns sehr, sehr gut.
Ruth, ich möchte, dass Du weißt, dass ich Dich immer noch nicht vergessen kann.
Dein "Schluss machen" fällt mir schwerer als die Tatsache, dass ich nun, mit Mitte zwanzig, geschieden bin.
Es fällt mir schwerer Dich los zu lassen, als meinen Ex.
Ich habe Dir vertraut. Ich habe auch mal das Vertrauen in Dich verloren - aber ich habe es dann wieder gefunden.
Zumindest fast komplett.
Und das schien mir oft unmöglich.
Ich möchte nicht, dass Du ein schlechtes Gewissen hast, ich möchte nicht, dass Du Dir die Schuld gibst für irgendwas.
Lass Vergangenheit vergangen sein.
Wir waren jung. Du hast Dinge getan, die mich geprägt haben und umgekehrt.
Ich habe Dinge getan, die Dich geprägt haben.
Ich habe Dich verletzt. Ich habe Dich geschädigt, sagst Du.
Ruth, ich habe immer zu Dir gestanden, habe versucht Dich zu unterstützen. Die Tatsache, dass Du in den letzten Jahren immer mehr zur zurückgezogenen, verschüchterten, jungen Frau wurdest, hat mich beunruhigt. Und wie oft haben wir darüber gesprochen und ich habe versucht, Dich zu verstehen, Dich aufzumuntern. Dir zu helfen. Dir eine Freundin zu sein.
Ich habe Dir noch nie, nie in meinem Leben, etwas böses gewollt.
Nie.
Du bist eine sehr spezielle Person. Du hast oft Mist gemacht in Deinem Leben. Mir gegenüber. Du warst oft nicht wirklich korrekt zu mir.
Aber ich habe Dich trotzdem geliebt. Auf diese vertraute Weise, wie man einen Menschen liebt, den man schon ewig kennt. Den man versteht - und deswegen alles entschuldigen und nachvollziehen kann.
Ruth, ich erwarte auf diesen Brief keine Antwort. Natürlich wünsche ich mir von ganzem Herzen eine - aber was sollte sie bringen?
Ich habe lange, sehr lange gehadert. Ich wollte Dich vollkommen in Ruhe lassen. Einfach weil ich denke, dass Du so sehr von mir verletzt bist, dass es besser für Dich ist, nie wieder von mir zu hören.
Ich will nur, dass Du weißt, dass ich Dir nicht böse bin, Dir nichts schlechtes wünsche.
Ich wünsche Dir das Beste. Trotz und wegen allem, was wir zusammen erlebt haben.
Es ist nicht so, dass ich nicht traurig bin oder enttäuscht oder wütend.
Ich bin all das. Ich bin oft wütend und traurig.
Aber nur, weil ich nicht verstehe, warum Du ein so großes Problem mit mir hast.
Weil ich Dich noch immer gern habe. Und Dich nie vergessen werde.
Eins noch: Ich habe damals zu dem Gespräch, dem auf den Stuhl setzen, abgesagt, weil ich hochschwanger war. Ich wollte Dir eigentlich die Möglichkeit geben, mich an den Pranger zu stellen, alles aufzuarbeiten.
Aber ich habe es wegen dem Wurm nicht getan. Ich wollte mein ungeborenes Kind nicht damit belasten. Mit all den Emotionen.
Und ich bin noch immer der Überzeugung, dass das richtig war.
Ruth, sieh das als Abschiedsbrief an.
Ich werde umziehen. Das heißt, Du brauchst Dich nicht vor mir zu verstecken. Wir werden uns wohl nicht mehr über den Weg laufen.
Ich wünsche Dir und Deinem Verlobten, auch Deiner Familie, alles, alles Gute. Ich wünsche euch das Beste.
Von ganzem Herzen.
Lara
Irgendwie komisch.
Ich sitze mal wieder auf dem Balkon.
Es ist warm. September.
Gestern war meine Scheidung.
Ich war nur "schriftlich" anwesend. Ob und wie jetzt alles gelaufen ist weiß ich nicht.
Morgen rufe ich meine Anwältin an und frage nach.
Ich bin jetzt endgültig - zumindest wahrscheinlich - geschieden. Ich habe ein Kind, einen neuen Partner und einen Hund.
Und irgendwie bin ich gerade verwirrt.
Gute Nacht.




